• "Unter Sucht versteht man ein bestimmtes Verhaltensmuster, dass mit einem unwiderstehlichen, wachsenden Verlangen nach einem bestimmten Gefühls- oder Erlebniszustand beschrieben wird."
  • Grundsätzlich kann jeder Mensch süchtig werden. Da Sucht nicht auf den Umgang mit bestimmten Stoffen beschränkt ist, kann jede menschliche Form des Verhaltens zur Sucht werden. Jede Sucht entsteht über den Prozess:
Alles, was angenehme Gefühle hervorruft oder schlechte scheinbar vermindert, birgt die Gefahr des Missbrauchs in sich. Wer dazu neigt, zu dieser "Ersatzlösung" zu greifen, um Konflikten aus dem Weg zu gehen oder unangenehme Gefühle zu betäuben, kann sich schnell an den künstlichen Stimmungsmacher Alkohol gewöhnen. Eine Alkoholabhängigkeit ist nicht abhängig von der Alkoholmenge. Der Ablauf der Vorgänge erfolgt über einen zeitlich längeren aber undefinierbaren Zeitraum und wirkt schleichend. Das Erkennen der entstehenden Sucht wird hier erschwert und oft nicht wahrgenommen.
Die voralkoholische symptomatische Phase
Wir haben Langeweile, Schmerzen, fühlen uns deprimiert, ängstlich, unsicher oder sind abgespannt. Vieleicht sehen wir es auch in unserem Umfeld - von Eltern, Freunden oder Bekannten - wie eine Art Vorbild oder Ermutigung es zur Bewältigung dieser Umstände es mal mit Alkohol zu versuchen. Auch die Werbung suggeriert uns, dass wir uns mit einem Gläschen Sekt gleich wohler fühlen werden, und außerdem zu der Gruppe derjenigen gehören, die "in" sind und etwas von Genuss verstehen. Es ist also absolut logisch, dass es uns in den Sinn kommt, ein Gläschen zu trinken (also unser Hilfsmittel einzusetzen), um locker zu werden und uns besser zu fühlen. Und wir werden dafür belohnt: die Schmerzen lassen nach, Anspannungen lösen sich in Luft auf, dass Selbstbewußtsein steigt und man wird stark und unbefangen. Es besteht eine psychische Abhängigkeit vom Alkohol, in der das Trinken noch kontrolliert werden kann.Im Laufe eines halben Jahres bis zu zwei Jahren fällt die Toleranz für seelische Belastungen in einem solchen Maße ab, dass man praktisch täglich Zuflucht zu alkoholischen Getränken nimmt. Nach einer gewissen Zeit kann eine Erhöhung der Alkoholtoleranz festgestellt werden. Das heißt, es wird eine größere Menge Alkohol als früher benötigt, um die gewünschte Beruhigung zu erreichen.
Die Vorläufer- Phase
Es sind hier schon einige Anzeichen alkoholabhängigen Verhaltens vorhanden. Diese Phase wird eingeleitet durch plötzlich auftretende Erinnerungslücken (Amnesien). Diese Gedächtnislücken können auftauchen ohne Anzeichen von Trunkenheit. Bier, Wein und Spirituosen beginnen jetzt praktisch aufzuhören Getränke zu sein, sondern werden vielmehr eine "Medizin", die der Trinker braucht. Das dauernde Denken an Alkohol ist ein weiterer Beweis für seinen Bedarf. Wegen der vermehrten Alkoholabhängigkeit kommt es zum "gierigen Trinken", dem Herunterkippen des ersten oder der ersten beiden Gläser. Der Betroffene merkt nun deutlich, dass mit seinem Trinkverhalten etwas nicht stimmt. Die prodomale Phase der Sucht kann von sechs Monaten bis zu vier oder fünf Jahren dauern. Danach beginnt die kritische Phase mit dem Einsetzen des Kontrollverlustes. Es gibt aber noch die Möglichkeit, die unmittelbar bevorstehende körperliche Abhängigkeit abzuwenden.
 
Die kritische Phase
Ab hier beginnt die Alkoholsucht. Das Denken an Alkohol und das Trinken von Alkohol nimmt großen Raum im Leben ein. Es besteht eine körperliche Abhängigkeit. Der Süchtige hat nicht mehr die Wahl, trinken zu wollen oder nicht. Er muss trinken. Es findet ein Kontrollverlust statt. Bereits nach einer kleinen Menge Alkohol entsteht im Körper ein Verlangen nach "mehr". Dieses Verlangen hält solange an, bis der Trinker zu betrunken oder zu krank ist für eine weitere Alkoholaufnahme. Gewissensbisse, Unwillen, Kampf zwischen Sucht und Pflichten, Selbstwertverlust, Zweifel und falsche Ermutigung haben den Kranken so weit zerrüttet, dass er den Tag nicht mehr ohne Alkohol kurz nach dem Aufstehen oder schon vorher beginnen kann. Es kommt zum "regelmäßigen morgendlichen Trinken".
Die chronische Phase
Die chronische Phase, die von ausgedehnten Rauschzuständen gekennzeichnet ist, ist die letzte Phase einer schweren chronischen Alkoholabhängigkeit. Die alles beherrschende Rolle des Alkohols und das Verlangen nach morgendlichen Trinken brechen schließlich jeden Widerstand des Süchtigen. Er ist tagsüber und mitten in der Woche schwer betrunken. In diesem Stadium verharrt er einige Tage, bis er völlig unfähig ist, irgendetwas zu unternehmen. Ein Teil der Kranken zeigt als Folge das Phänomen des gespaltenen Menschen. Die Persönlichkeit wandelt sich. Das Phänomen der Spaltung tritt besonders deutlich in den Alkoholpsychosen hervor und ist vielfach an Sinnestäuschungen gebunden (Hören von Stimmen und visuelle Täuschungen). Diese Krankheitsform wird als "Alkoholdelirium" bezeichnet. Die schwerste und lebensbedrohliche Form ist das "Delirium tremens", das bei plötzlichem Alkoholentzug auftreten kann. In 20 % der Fälle endet das Delirium tremens tödlich.
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